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Die Angst des Stürmers vor dem Ex-Verein. by jeffrey12
17.11.2008, 12:11
Filed under: Bundesliga | Schlagwörter: , , , ,

Eine neue Krankheit hat die deutschen Ligen befallen. Unverkennbare Merkmale: Gewissensbisse, Kraftlosigkeit, in jedem Fall aber fehlende Identifikation mit dem Arbeitgeber. Wo immer ein Spieler auf seinen Ex-Verein trifft, treten diese Symptome auf. Neuerdings, gefühlt seit Lukas Podolski gegen sein Heimatland Polen bei der EM gleich zwei mal einnetzte und aus Respekt vor seinen Landsleuten auf ausgiebige Jubel-Arien verzichtete.

Seither wird schon im Vorfeld des Spieltags diskutiert, wer wo auf wen trifft und deshalb nach dem Tor-Erfolg die Hände in die Taschen zu stecken hat. Mladen Petric bereitet etwa die Medien darauf vor, dass er im Falle eines Treffers gegen den BVB nicht jubeln wolle. Erst als bei jedem Ballkontakt klar wird, dass Ihn die Fans des Ex-Vereins doch nicht so lieb haben, wie er sie in einem Jahr gewonnen hat, überwältigen Ihn die Glücks-Gefühle nach dem 1:0.

So schön die Erinnerungen an Ex-Verein und Fans sein mögen, so sollte doch die Identifikation mit dem neuen Arbeitgeber auch oder gerade in der Minute des Torerfolgs im Vordergrund stehen sollte und nicht persönliche Image-Kampagnen. Fans vergessen ohnehin schneller, die neuen Helden sind schnell ausgemacht, die Erfolge ehemaliger Spieler oft schnell verblasst. Die BVB-Fans bezeugten das sehr genau.

An diesem Wochenende war es Daniel Baier, der mit seinem Tor drei Punkte für den FC Augsburg aus der Münchner Allianz Arena entführte. Und wieder überwiegte die Respekts-Bekundung vor dem Ex-Team gegenüber der Identifikation und Leidenschaft für den Arbeitgeber. 1860 ist Herzensangelegenheit, Augsburg nur Brötchengeber.

Gilt Giovane Elber in München als Verräter weil er sich über ein Tor für Lyon freute? Oder wird Claudio Pizarro erst in München, jetzt zurück in Bremen zum Buhmann, weil er nicht aufhört als leidenschaftlicher Goalgetter aufzutreten, egal in welchem Trikot er spielt? Eigentlich sind das doch ausgewiesene Merkmale professionellen Verhaltens.

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1 Kommentar so far
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Leider ist mangelnde Identifikation mit dem Arbeitgeber ein Problem, das schon seit längerem grassiert, und jetzt auch den Fussball erreicht hat.
Anscheinend ist der Intellekt derjenigen nicht ausgeprägt genug, zu erkennen, dass sie jemandem verpflichtet sind und sich somit auch dazu zu bekennen haben. Alles andere könnte man fast als geschäftsschädigend ansehen.
Wenn ich im Dienste einer bestimmten Automarke meine Brötchen verdiene und dann ein Konkurrenzprodukt fahre und womöglich noch abfällige Äusserungen über die Marke des Arbeitgebers mache, dann kann dies sogar ein Kündigunggrund sein, auf jeden fall sollte ich mich dann fragen, ob nicht sinnvoll sei, den Arbeitgeber zu wechseln.
Fussballspieler haben einen hohen Bekannheitsgrad, weil sie in den Medien äußerst präsent sind, und sollten sich nicht wundern, wenn sie in die öffentliche Kritik geraten, weil ihnen die nötige Loyalität fehlt.

Mahir Saglik dürfte sich meines Erachtens auch freuen, wenn er, den unwahrscheinlichen Fall eines Zusammentreffens von VFL und WSV vorausgesetzt, gegen den WSV Tore schießt.
Das dürfte ihm schon deshalb keiner übel nehmen, weil er dies nur kann, weil er in der vorangegangenen Saison massenweise Tore für den WSV geschossen hat; oder wäre es uns lieber, er hätte nur halb so viele Tore geschossen, wäre beim WSV geblieben, aber dafür hätten wir schon letztes Jahr einen deutlich niedrigeren Tabellenplatz einnehmen müssen?
Wohl kaum, und wenn unsereiner ein Angebot aus der ersten Liga bekommen hätte, hätten wir da nein gesagt? Wohl kaum. Also sollten echte Profis über ihre Tore jubeln, auch wenn sie diese gegen ihren Ex-Verein erzielen, alles andere wäre unprofessionell. Gegenseitigen Respekt kann man sich auch am Rande eines Spiels bezeugen.

Kommentar von Daniel Spittmann




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